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Sind Vegetarier vor Darmkrebs gefeit?

Darmkrebs gehört zu einer der häufigsten Tumorerkrankungen der westlichen Welt. Aktuelle Studien beweisen, dass ein erhöhter Fleisch- und Wurstkonsum das Risiko für Darmkrebs steigert. Ist Vegetarismus also das Nonplusultra einer gesunden Ernährung?

Wurstplatte

Krebs durch Wurstverzehr?


Jede siebte Krebserkrankung hierzulande betrifft den Darm. Damit gehört Darmkrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Aber können wir etwas tun, um unser Krebsrisiko möglichst gering zu halten? Gemäß aktueller Ergebnisse der Internationalen Krebsforschungsagentur (IRAC) spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle. So steigt das relative Darmkrebsrisiko bereits pro täglich verzehrten 50 g verarbeitetem Fleisch wie Wurst oder Schinken um 18 %. Dies ergab sich aus einer Auswertung von rund 800 internationalen Forschungsarbeiten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde daher rotes Fleisch wie Schwein, Rind oder Lamm als „wahrscheinlich krebserregend“ und verarbeitetes Fleisch als „krebserregend“ eingestuft. Damit steht es auf einer Stufe mit Tabak, Alkohol und Asbest. Doch heißt dies nun, dass Fleisch zur Todesgefahr für uns wird oder dürfen wir weiterhin mit gutem Gewissen in ein Grillwürstchen beißen?

Aktuelle Studien geben kein eindeutiges Bild

In einer im letzten Jahr veröffentlichten großen amerikanischen Studie wurde an 77.000 Erwachsenen 7,5 Jahre lang das Auftreten von Darmkrebsfällen erfasst. Bekannt war, ob die Personen sich vegetarisch ernährten oder Fleisch zu ihrem Speiseplan zählten. Das erstaunliche Ergebnis war, dass die Vegetarier um 22 % weniger Darmkrebsfälle zeigten als die Nicht-Vegetarier. Allerdings konnte dieser Zusammenhang in einer aktuellen europäischen Studie nicht bestätigt werden. Ein bedeutender Unterschied der in dieser Arbeit untersuchten Personen war allerdings, dass sie im Vergleich zu den Teilnehmern der amerikanischen Studie weniger Obst und Gemüse gegessen haben.

Fleischtheke beim Metzger

Fleisch ist nicht gleich Fleisch


Fleisch allein macht nicht den Unterschied

Die Lage scheint also nicht gänzlich schwarz-weiß, aber woran könnte dies liegen? Einerseits ist Fleisch nicht gleich Fleisch, und auch die insgesamt gesündere Ernährungsweise von Vegetariern könnte eine Rolle spielen. Die jüngst in den Medien heiß diskutierten Einstufungen der WHO deuten bereits an, dass der Fleischtyp nicht ganz unwichtig ist. Insbesondere verarbeitetes Fleisch scheint eine stark erhöhte Krebsgefahr mit sich zu bringen. Dies liegt vermutlich an Stoffen, die durch Verarbeitungsprozesse wie Pökeln, Räuchern usw. entstehen können. Somit ist vermutlich auch nicht jede Wurstsorte gleich zu betrachten, was in Studien bisher jedoch nicht berücksichtigt wurde. Nicht zu unterschätzen ist auch die Wurst- bzw. Fleischqualität und die damit verbundene Belastung mit z.B. Antibiotika, was in Studien ebenfalls nicht berücksichtigt wird. Weißes Fleisch aus Geflügel wird generell als gesünder eingestuft. Dies gilt aufgrund seines geringeren Fettanteils nicht nur in Hinblick auf Krebs. Laut aktueller Forschung reduziert zudem ein erhöhter Verzehr an Ballaststoffen das Krebsrisiko. Einen großen Anteil macht hier besonders der Obst- und Gemüsekonsum aus. Und dieser ist bei Vegetariern von Natur aus höher. Neben der Ernährung schlägt sich auch ausreichend Bewegung in einem reduzierten Krebsrisiko nieder.

Laut IRAC ist das individuelle Risiko an Darmkrebs zu erkranken absolut betrachtet gering, steigt jedoch mit zunehmendem Konsum vor allem von verarbeitetem Fleisch an. Der Antstieg des absoluten Darmkrebsrisikos ist aber verhältnismäßig gering, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt. So hat ein 65-jähriger Mann ein durchschnittliches Risiko von 2,4 % in den folgenden 10 Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Gemäß IRAC würde sein relatives Risiko durch 50 g mehr Wurst pro Tag um 18 % steigen. Dies bedeutet, dass sein Darmkrebsrisiko um 0,4 %, also auf 2,8 %, steigen würde. Je mehr Wurst verzehrt wird, desto mehr nimmt das Risiko entsprechend zu. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher maximal 300-600 g Fleisch pro Woche zu essen. Das hört sich viel an, aber laut Statistik isst der durchschnittsdeutsche Mann bereits täglich ca. 1000 g in der Woche, und auch Frauen liegen im Schnitt mit knapp 600 g an der oberen Grenze.

Gemüsestand

Eine gesunde, augewogene Ernährung als Krebsprävention


Gesunde, ausgewogene Ernährung als oberstes Ziel

Doch was stellt nun die „beste“ Ernährung dar, um sein Krebsrisiko möglichst gering zu halten? Ein kompletter Verzicht auf Fleisch ist nach aktueller Forschungslage nicht notwendig. Insbesondere da Fleisch auch Quelle wichtiger Nährstoffe wie Eisen, B-Vitamine und hochwertigem Protein ist. Es macht jedoch durchaus Sinn den Genuss von verarbeitetem Fleisch wie Wurstwaren möglichst gering zu halten, und vermehrt weißes statt rotes Fleisch zu essen. Sinnvoll ist eine Art „Teilzeitvegetarismus“, sprich zwei oder drei fleisch- und wurstfreie Tage in der Woche einzubauen. So wird der Fleischverzehr automatisch reduziert. Wenn Fleisch oder Wurst verzehrt wird, sollten qualitativ hochwertige Produkte vom lokalen Metzger, Bauern oder Bioladen, den Produkten aus Massentierhaltung vorgezogen werden. Qualität statt Quantität lautet hier das Motto.

Vor allem aber sollte der Speiseplan ausgewogen und reich an Obst, Gemüse , sowie Vollkornprodukten sein, um sich ausreichend mit Ballaststoffen und Vitaminen zu versorgen. Somit wirst Du sicher nicht nur Dein Darmkrebsrisiko in Schach halten, sondern Dir und Deinem Körper generell zu bestmöglicher Fitness verhelfen, und Dich auch vor Übergewicht und damit verbundenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen.

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.