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Sind probiotische Joghurts sinnvoll?

Probiotischen Joghurts wird nachgesagt, dass sie die Verdauung fördern und das Immunsystem stärken. Sind probiotische Joghurts normalen, deutlichen günstigeren Joghurts also überlegen? Nutzen die zugesetzten Milchsäurebakterien tatsächlich unserer Gesundheit?

Joghurt im Glas mit Obst garniert

Sind probiotische Joghurts gesundheitsfördernd?


Probiotische Joghurts sind schon lange im Trend. Der Name stammt aus dem Griechischen „pro bios“, also „für das Leben“. Ob Actimel, Yacult oder LC1, die Hersteller versprechen viel - doch was steckt wirklich hinter diesen Produkten? Diese Joghurts enthalten industriell zugesetzte Milchsäurebakterien, die sich förderlich auf die Darmgesundheit und das Immunsystem auswirken sollen wenn man sie regelmäßig verzehrt. Solche Bakterien kommen auch schon von Natur aus in unserem Darm zu Billionen vor, man spricht von der sogenannten Darmflora. Durch Infektionen, Ernährungsfehler o.ä. kann es zu einem Ungleichgewicht der Darmflora kommen - bestimmte Bakterienarten nehmen in der Anzahl zu, andere ‚nützliche’ Bakterien dagegen ab. Dies kann in der Entstehung von Krankheiten eine Rolle spielen. Die Darmflora in Balance zu halten, ist also für die Gesundheit entscheidend. Probiotische Lebensmittel sollen durch die zugesetzten nützlichen Bakterien genau dies bewirken. Der Hintergrund ist eine Ansiedlung dieser Bakterien in unserem Darm. Durch diese zusätzliche Ansiedlung soll unsere Darmflora gestärkt und krankheitserregenden Bakterien im Darm kein Platz gelassen sowie diese bekämpft werden. Soweit die Theorie der Werbemacher - doch halten probiotische Joghurts tatsächlich was sie versprechen?

Was machen die Bakterien wirklich in unserem Körper?

Wissenschaftlich nachgewiesen werden konnten die versprochenen Effekte probiotischer Produkte bisher nicht. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass die meisten dieser Milchsäurebakterien bereits durch unsere saure Magenflüssigkeit abgetötet werden, und somit im Darm keine Aktivität mehr entfalten können. Diejenigen 10-40 %, die es lebend bis in den Dickdarm schaffen, siedeln sich nur in wenigen Fällen auch wirklich dauerhaft, also über mehrere Wochen, an. Dies ist aber auch stark abhängig von der Bakterienart und der Häufigkeit der Zufuhr abhängig. Daher sollte ein regelmäßiger, am besten täglicher Verzehr erfolgen, um langfristige Effekte erzielen zu können.

Überteuerte, oft zuckerreiche Produkte

Schale mit Zuckerwürfel

Versteckter Zucker in probiotischen Joghurts


Die Verbraucherschützerorganisation „Foodwatch“ verlieh Danone 2009 den „goldenen Windbeutel“ aufgrund ihrer irreführenden Werbung. Ihr Produkt „Actimel“ zeigte zwar einige positive Effekte, allerdings konnten diese auch durch normale Joghurts ebenso erreicht werden - nur dass diese lediglich einen Bruchteil kosten. Probiotische Joghurts enthalten außerdem mit bis zu 5 Stück Würfelzucker auf 100 ml recht viel Zucker und damit Kalorien, was nicht gerade im Sinne einer bewussten, gesunden Ernährung steht. Zucker soll außerdem die ungünstigen Bakterien der Darmflora in ihrem Wachstum fördern. Des Weiteren finden sich häufig zahlreiche Zusatzstoffe.

Auch Ernährungsberatungsstellen wie der aid infodienst sind der Ansicht, dass natürliche Sauermilchprodukte ohne weitere industrielle Probiotikazusätze gesund und günstiger seien. Eine Zufuhr von 2 bis 3 Portionen Milchprodukte am Tag wird empfohlen, auch aufgrund des enthaltenen Calciums und Proteins. Ob diese probiotisch sein müssen, bleibt umstritten. Ernährungsexperten zufolge macht es sicherlich mehr Sinn seiner Darmflora mit Vollkornbrot und üblichen milchsauren Lebensmitteln wie Joghurt und Buttermilch anstatt mit überteuerten probiotischen Joghurts oder Drinks etwas Gutes zu tun.

Glas mit Buttermilch

"Normale" milchsaure Produkte helfen auch

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.