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Paleo-Diät - essen wie in der Steinzeit und unserem Körper geht es gut!?

Neueste Thesen sprechen von der Steinzeiternährung als besonders gesunde Kostform. Iss nur das, was es in der Steinzeit gab - lautet das Motto. Ob dies umsetzbar und sinnvoll ist, verraten wir Dir hier.

Kind in Steinzeitkleidung

Der neueste Ernährungstrend: Steinzeiternährung


Worauf basiert die Steinzeitdiät?

Das Motto dieser Diät ist denkbar einfach: durch unsere Gene sind wir evolutionär nur auf eine bestimmte Ernährung, nämlich die steinzeitliche, vorprogrammiert. Daher sollten wir auch nur das essen, was damals verfügbar war. So tun wir unserem Körper das Beste. Bekannt wurde diese Kostform auch unter dem Begriff „Paleo-Diät“ als Abkürzung für Paläolithikum, also Steinzeit.

Prinzip der Steinzeit-Diät

Zurück zur Natur und unseren Wurzeln lautet das Motto. In der Steinzeit lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Vertreter der Steinzeitdiät nehmen an, dass die Stoffwechselfunktionen des modernen Menschen von heute noch immer genetisch an diese Ernährungsweise optimal angepasst sind. Dies sei der Grund, weshalb eine Ernährung abweichend steinzeitlicher Muster die Gesundheit beeinträchtigen bzw. zu Erkrankungen führen könnte. Krankheiten wie Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels, Unverträglichkeiten, Übergewicht, Diabetes und Krebs werden hierzu gezählt. Daneben wird die Steinzeiternährung nicht nur als gesunde Ernährungsform angepriesen, sondern auch als Mittel zur Gewichtsabnahme.

Was kommt auf den Teller und was nicht?

Erdbeeren

Möglichst naturbelassen sollten die Lebensmittel sein


Erlaubt ist alles, was es in der Steinzeit auch gab. Dies sind vor allem Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, sowie Eier, Nüsse und Honig. Außerdem Gemüse und Obst, sowie Kräuter und Pilze. Wichtig ist, dass alles möglichst naturbelassen, roh und unverarbeitet sein sollte. Ähnlich wie beim Clean Eating kommen also keine Fertiggerichte auf den Tisch.
Nicht auf den Speiseplan gehören dagegen aber auch Getreide- und Milchprodukte, da diese erst mit Aufkommen des Ackerbaus und der Viehzucht, also nach der Steinzeit, in unsere Ernährung integriert wurden. Auch Hülsenfrüchte, Pflanzenöle sowie Salz, Zucker und Alkohol sind tabu. Weder Brot, noch Käse oder Joghurt sind also zum Beispiel erlaubt. Dies ist ein ziemlicher Eingriff in unsere westlichen Ernährungsgewohnheiten.
Wichtig ist modernen Paleo-Vertretern auch, dass die Gerichte ohne Geschmacksverstärker, Aromastoffe, Konservierungsmittel und Farbstoffe auskommen.
Die Hauptenergiequellen der Ernährung sollten Kohlenhydrate, Protein und Fett im Verhältnis 41:37:22 oder 35:30:35 sein. Dabei sollten etwa zwei Drittel aus pflanzlichen und ein Drittel aus tierischen Produkten stammen.

Ist die These haltbar?

Laut Experten ist die These der gesunden Steinzeitdiät nicht gründlich untermauert. Es ist bisher nicht erwiesen, dass eine Ernährung, die vom steinzeitlichen Speiseplan abweicht, gesundheitlich schlecht ist. Weder mit dem Verzehr von Hülsenfrüchten, noch mit Getreide oder Milch kann per se eine gesundheitliche Beeinträchtigung verbunden werden.
Interessant ist auch, dass zwar überall genaustens beschrieben wird, wie die Steinzeitkost ausgesehen haben soll, schaut man sich aber Überlieferungen an, kann dies von Steinzeitexperten gar nicht so genau festgestellt werden. Unklar ist auch, welchen Anteil das Jagen, Sammeln und Fischen jeweils an der Ernährung hatte. Viele Angaben basieren also rein auf Behauptungen. Eine typische steinzeitliche Ernährung gibt es nicht, weshalb auch eine darauf basierende moderne Ernährungsempfehlung wenig Sinn macht.

Wie gesund ist die Paleo-Diät

Rohe Steaks

Hoher Fleischverzehr nicht ohne Risiko


Durch den Verzicht auf Fertigprodukte & Co kann man sicherlich von einer gesünderen Ernährungsweise sprechen als viele Menschen sie im Moment betreiben. Zu beachten ist aber auch, dass durch den hohen Verzehr an hochqualitativem Fleisch und Fisch ziemlich tief in die Tasche gegriffen werden muss. Außerdem ist die Ernährungsweise sehr fleisch- und damit auch eiweißlastig. Gerade bei Menschen mit schlechter Nierenfunktion kann dies zum Problem werden. Je nach Auswahl des Fleisches kann sie auch sehr fett sein. Ernährungswissenschaftlich betrachtet, ist von häufigem Verzehr von rotem Fleisch wie Schwein, Rind, Kalb & Co abzuraten, da es zum Beispiel mit der Entstehung bestimmter Krebsarten in Verbindung gebracht wird. Es kommt also auch auf die Auswahl des Fleisch, zum Beispiel ob Geflügel oder Schwein/Rind, an. Außerdem fehlen in der Paleo-Diät Milchprodukte komplett. Sie stellen allerdings unseren wichtigsten Calciumlieferanten dar. Eine ausreichende Calciumzufuhr ist in jedem Alter für einen adäquaten Knochenbau wichtig. Hier müsste also im Zweifel auf andere Calciumquellen wie Calciumreiches Mineralwasser zurückgegriffen werden. Da Brot und Getreideprodukte vom Speiseplan verbannt sind, liegt es nahe, dass sich diese Diät auch zum Abnehmen eignen wird. Allerdings liefern Getreideprodukte vor allem in ihrer Vollkornvariante wichtige B-Vitamine und Mineralstoffe. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Steinzeitdiät einen Verzicht auf viele gewohnte Speisen wie Milchprodukte etc. darstellt, und daher sicherlich nicht für jeden passend ist. Außerdem kann es im Zweifel notwendig sein, Nährstoffe wie Calcium über andere Quellen zu sich zu nehmen.

Fazit

„Die“ Steinzeiternährung gibt es nicht, weshalb es auch kaum möglich ist daraus eine moderne Kostform abzuleiten. Soll die Botschaft der Steinzeiternährung aber lediglich sein, dass Gemüse, Obst, Nüsse und Fisch bevorzugt verzehrt werden sollen, Fett nur in Maßen und Milchprodukte je nach Verträglichkeit, so ist diese Ernährung nichts anderes als eine allgemein empfohlene gesunde Mischkost. Diese Form der Ernährung ist allgemein als gesund anerkannt, sodass niemand etwas daran auszusetzen hat. Ob sie als langfristige Ernährungsform Sinn macht, bleibt aber fraglich.

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.