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Nutrigenomics - iss nach Deinen Genen

Forscher können inzwischen bereits das ganze menschliche Genom entschlüsseln. Jeder Mensch ist individuell und weist einen unterschiedlichen Gencode auf. Könnte es also nicht sein, dass auch unsere Ernährung auf diesen ganz individuellen Gencode personalisiert angepasst werden sollte. Können wir uns so besonders gesund ernähren und unser Krankheitsrisiko senken? Was hinter dem neuen Feld der "Nutrigenomics" steckt, verraten wir Dir hier.

DNA-Stränge

Genanalyse als Schlüssel zur gesunden Ernährung?


Nutrigenomics - was ist das?

Jeder Mensch hat etwa 20.000 Gene, sie alle enthalten Informationen für wichtige Funktionen und Stoffwechselabläufe unseres Körpers. Dazu gehört natürlich auch der Nährstoff- und Energiestoffwechsel. Manche Gene können so verändert sein, dass sie nicht mehr der Norm entsprechen und das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie zum Beispiel krankhaftem Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Man spricht auch von sogenannten Kandidatengenen. Für Übergewicht und Adipositas wurden schon etwa 40 solcher Kandidatengene gefunden.

Der neueste Trend heißt daher "Nutrigenomics". Es handelt sich dabei um einen Forschungszweig, der die Wechselbeziehungen zwischen Ernährung und Erbgut untersucht. Die Überlegung dahinter ist, dass eine Ernährung zugeschneidert auf die ganz persönlichen Gene eine bessere Wirkung für jeden Einzelnen zeigen könnte, als allgemeine Ernährungsempfehlungen. Sie könnte im Kampf gegen Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen, und Nährstoffmängel vorbeugen. Doch bedeutet dies, dass eine einzige DNA-Analyse sogleich den perfekt zu geschneiderten Ernährungsplan für jede individuelle Person liefern kann?

Nutzen personalisierter Ernährungsempfehlungen

Laut Forschern wünschen sich Verbraucher personalisierte Ernährungstipps. Gerade in der Behandlung von Übergewicht könnte eine solche Therapie besseren Anklang und damit mehr Erfolge mit sich bringen. Werden die persönlichen Essgewohnheiten und Bedürfnisse berücksichtigt, kann der Ansporn nämlich deutlich gesteigert werden als bei allgemeinen Diätempfehlungen.

Die EU-Politik rief 2011 ein großes Nutrigenomics-Projekt namens „Food4Me“ ins Leben. Daran nahmen über 1000 Personen teil. Anhand der gewonnenen Daten sollte die Einstellung der Verbraucher zu Gentests erfasst sowie die Frage beantwortet werden, ob das individuelle Ernährungsverhalten durch personalisierte, über das Internet vermittelte Ernährungstipps stärker beeinflusst werden kann als durch allgemeingültige Empfehlungen. Es konnte gezeigt werden, dass individuell angepasste Ernährungsempfehlungen tatsächlich mit einer größeren Akzeptanz unter den Teilnehmern verbunden waren. Hierbei hatten allerdings die genetischen Informationen keinen zusätzlichen Nutzen. Individuelle Ernährungstipps, die rein auf Fragebögen zu Lebensstil und Ernährung basierten zeigten ähnlich gute Ergebnisse.

Waage, Maßband und Apfel

Nutrigenomics als Mittel zur Gewichtsreduktion?

Freiverkäufliche Gentests – Sinn oder Unsinn?

Freiverkäufliche Gentests sind immer mehr auf dem Vormarsch. Vor allem Abnehmwillige stellen das Hauptklientel dar. Für 200-500 € kannst Du einen Teil Deines Erbguts untersuchen lassen. Angeboten werden die Tests als sogenannte „Lifestyle-Gentests“ von Apotheken, Fitnessstudios und hauptsächlich im Internet. Meist musst Du vorab einen kurzen Fragebogen ausfüllen und per Wangenschleimhautabstrich nimmst Du eine Speichelprobe. Diese wird eingeschickt, um spezielle Kandidatengene zu ermitteln. Doch macht es wirklich Sinn seine Gene untersuchen zu lassen, um seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun?

Forscher nehmen an, dass der Beitrag bisher bekannter Genabweichungen zum gesamten Krankheitsrisiko eher als gering anzusehen ist. Die Veränderung eines Gens bedeutet vielfach nämlich nur, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung oder z.B. Übergewicht zunimmt. Ob es tatsächlich dazu kommt hängt aber stark von anderen äußeren Risikofaktoren ab. Solche Faktoren des Lebensstils wie Ernährung, Bewegung usw. spielen daher vermutlich eine sehr viel größere Rolle. So steigert z.B. ein bestimmtes Kandidatengen das Risiko für Diabetes um das 1,2-fache während Übergewicht, das Risiko an Diabetes zu erkranken um das 30-fache erhöht. Sicherlich besteht eine Chance, dass Träger von Risikogenen irgendwann von zugeschneiderten Ernährungstipps profitieren können. Man darf sich aber nicht eine Wunderdiät basierend auf genetischen Daten erhoffen. Bereits freiverkäufliche Gentests sind daher kritisch zu betrachten. Darüber hinaus werden Kunden neben der Genanalyse oftmals einem vermeintlichen Stoffwechseltyp zugeordnet. Darauf aufbauend werden ihnen nicht nur Empfehlungen zu Nährstoffverteilung, Lebensmittelauswahl und Kalorienmenge gemacht, sondern oftmals auch vermeintlich angepasste Nahrungsergänzungsmittel zum Verkauf angeboten. Der Nutzen solcher Empfehlungen ist in der Regel aber nicht geklärt, geschweige denn wissenschaftlich belegt. Gentests könnten beim Verbraucher außerdem starke Verunsicherung bewirken, da eine fachlich fundierte Beratung fehlt und sie ihre Ergebnisse nicht einzuordnen verstehen.

Geldbeutel in Hosentasche

Nutzen teurer Gentests bisher nicht gesichert

Fazit

Individuelle Ernährungsempfehlungen basierend auf den Genen könnten zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beitragen. Bisher ist der gesundheitliche Nutzen für den Verbraucher aber noch alles andere als gesichert. Vorhandene Angebote zielen wohl hauptsächlich eher auf den dicken Geldbeutel des Kunden ab. Hier ist beim bisherigen Kenntnisstand der Wissenschaft also noch Vorsicht geboten.

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.