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Mikroalgen wie Spirulina und Chlorella - das grüne Wunder für ein langes Leben?

Werbung für Algenpräparate gibt es wie Sand am Meer. Sie reicht von fantastischen Versprechungen wie der Verbesserung des Wohlbefindens bis hin zur Verlängerung des Lebens. Allerdings gibt es auch Hinweise auf mögliche Risiken der Einnahme von Algenpräparaten. Was hinter dem neuen Trend um die Algen steckt, erfährst Du hier.

Teller mit Algensalat

Mikroalgen sind keine kleinen Algen, wie der Name vermuten liese

Was sind Mikroalgen?

Algen kennt jeder von uns, doch was sind eigentlich Mikroalgen? Sind das besonders kleine Algen? Nicht ganz. Der Begriff ist etwas irreführend, da es sich bei Mikroalgen eigentlich um sogeannte Cyanobakterien handelt. Die beiden wichtigsten Vertreter im Handel sind „Spirulina“ und „Chlorella“. Aufgrund der Gewässerverschmutzung werden Mikroalgen nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum gewonnen, sondern vielmehr für die Industrie künstlich gezüchtet. Beide Algen findet man inzwischen in Reformhäusern, Bioläden und dem Internet als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten oder Kapseln. Sie sind aber auch als Riegel, oder als Pulver zum Backen oder Einrühren in Smoothies erhältlich. Dabei werden ihnen viele positive Eigenschaften zugeschrieben. Doch handelt es dabei nur um Werbeversprechen oder ist wirklich was Wahres dran?

Propagierte Wirkungen

Mikroalgen enthalten jede Menge gesunder Nährstoffe, weshalb sie insbesondere zum Einsatz bei Nährstoffmangel beworben werden. Sie enthalten viel hochwertiges Protein, sowie essentielle Aminosäuren und Fettsäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann und daher auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen ist. Essentielle Fettsäuren spielen im Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen eine positive Rolle. Zudem sollen sie laut Werbeaussagen aber auch über einen großen Gehalt an Mineralstoffe wie Calcium, Eisen, Iod und Zink, sowie Vitamin C, beta-Carotin und B-Vitamine verfügen. Sie enthalten viel Vitamin B12, was für Vegetarier interessant sein kann, wobei zu beachten ist, dass nur etwa 20 % davon auch wirklich im Körper ankommen.

grüne Pillen fallen aus der Dose

Mikroalgenpräparate sollen antioxidativ und entgiftend wirken


Die grüne Farbe haben die Mikroalgen aufgrund des hohen Anteils am sogenannten Chlorophyll. Dieses wirkt antioxidativ und kann die Darmtätigkeit positiv beeinflussen. Die Mikroalgen sind für ihre entgiftende Wirkung bekannt. Durch ihren Aufbau aus mehreren Celluloseschichten sollen sie Schadstoffe oder Schwermetalle binden und damit aus dem Körper ausschleusen.
Studien geben zudem Hinweise, dass der regelmäßige Mikroalgenverzehr zu einer Stärkung des Immunsystems führen und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten reduzieren kann.

Halten die Präparate was sie versprechen?

Wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen Wirkungen der Mikroalgen gibt es bisher nur im Reagenzglas und an Labortieren, fundierte Untersuchungen am Menschen fehlen komplett. Es ist daher nicht möglich sichere Aussagen für den Menschen zu treffen. Der Test von 10 Algenpräparaten durch die Stiftung Warentest kam zu dem Urteil, dass man auf den Verzehr „getrost verzichten“ kann. 9 der 10 Präparate wurden als „wenig geeignet“ eingestuft. Dies lag daran, dass ihr Nutzen nicht ausreichend bewiesen war. Sie liefern zwar die propagierten gesunden Nährstoffe, aber nur in sehr geringen Mengen. Einige Produkte sind sogar durchgefallen, da sie Spuren zellschädigender und krebserregender Substanzen enthielten, und damit Risiken bei einer langfristigen Einnahme entstehen könnten.
Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass es bisher keine wissenschaftlichen Belege der gemachten Werbeversprechen von Algenprodukten gibt. Die enthaltenen Nährstoffmengen, auf die sich die Werbeaussagen berufen, sind oft nur sehr gering. Die Werbeaussagen damit also oftmals irreführend. Dass Chlorella-Tabletten Giftstoffe im Körper an sich binden können ist laut BfR nicht eindeutig nachgewiesen, außerdem könnten manche Mikroalgen auch selbst Giftstoffe produzieren. Nebenwirkungen der Algenprodukte sind bis auf vereinzelte Unverträglichkeiten wie Durchfälle oder Unwohlsein bisher keine bekannt. Allerdings gibt es dazu bisher auch wenige Untersuchungen.

Obst und Gemüse auf dem Tisch

Fazit: sinnvoller ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung


Fazit:

Algenpräparate sind also durchaus kritisch zu betrachten. Wirklich notwendig sind die Präparate für eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen definitiv nicht. Hier erweist eine ausgewogene Ernährung mit genügend Obst, Gemüse, Milchprodukten, Vollkorn und Fisch sicherlich bessere Dienste.

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.