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Darmflora aufbauen mit Probiotika - wann macht das wirklich Sinn?

Probiotika sollen gegen viele Krankheiten helfen, und die Gesundheit positiv beeinflussen. In bestimmten Situationen wie zum Beispiel nach Antibiotikaeinnahme kann unsere natürliche Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten. Können hier Probiotika hilfreich sein?

Unser Darm ist natürlicherweise von Billionen von Bakterien - der Darmflora -besiedelt. Sie stellen nützliche Bakterien für den Menschen dar, da sie Krankheitserreger abwehren, das Immunsystem des Darms sowie die Verdauung unterstützen. Nach Einnahme von Antibiotika oder nach einer Darminfektion kann es durch Abtöten der körpereigenen Bakterien oder durch Ansiedlung von Krankheitserregern zu einer Störung der natürlichen Darmflora kommen. Kommt die Darmflora von selbst wieder ins Lot oder sollten wir den Aufbau der Darmflora unterstützen?

Probiotika-Kapseln

Darmflora aufbauen mit Probiotika


Eine Methode, die immer wieder zur Darmsanierung empfohlen wird, ist die Einnahme von Probiotika. Probiotika sind lebende Bakterien, die unseren Darm besiedeln können und sich positiv auf den Organismus auswirken sollen. Sie kommen natürlicherweise in milchsauren Produkten wie probiotischer Joghurt oder Buttermilch vor, werden von der Industrie aber auch Lebensmitteln zugesetzt. Diese sogenannten probiotischen Lebensmittel wie Joghurts, Drinks oder auch Müslis werden mit zahlreichen positiven Eigenschaften beworben. Probiotika sind aber auch konzentriert in Kapselform als Arznei- oder Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Doch wann macht eine Einnahme Sinn?

Helfen Probiotika bei Durchfall?

Einige Studien zeigen einen positiven Einfluss von Probiotika bei Durchfall. So konnten der Krankheitsgrad reduziert und die Krankheitsdauer um durchschnittlich einen Tag verkürzt werden. Dabei zeigten sich die besten Ergebnisse bei infektiösem Durchfall bei Kindern. Die probiotischen Bakterien machen den Krankheitserregern vermutlich den Platz im Darm streitig und verhindern damit deren Ansiedelung.

Während und nach der Einnahme von Antibiotika kommt es häufig zu unerwünschten Durchfällen. Probiotika reduzieren nachweislich die Häufigkeit von Durchfällen, sowie das Auftreten von Symptomen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Blähungen bei Antibiotikatherapie. Aktuelle Studien zeigen eine Reduktion der Antibiotika-bedingten Durchfälle von durchschnittlich 25 auf 11 %.

Darmsanierung nach Antibiotikaeinnahme

Antibiotika in Packung

Antibiotika zerstört die Darmflora


Antibiotika töten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch die Bakterien unserer körpereigenen Darmflora ab. Diese sind für eine geregelte Verdauung, aber auch für unser Immunsystem sehr wichtig. Schon nach nur 3-tägiger Antibiotikaeinnahme kommt es laut Experten zu einer dramatisch veränderten Darmflora. So konnte weniger verschiedene Bakterienarten festgestellt werden – gerade diese Artenvielfalt ist für unsere Körper aber sehr wichtig. Es kann Wochen bis Monate dauern bis sich die Darmbesiedlung wieder normalisiert hat. Gerade nach einer längeren Antibiotikaeinnahme wird daher eine Darmsanierung empfohlen. Hierfür gibt es in der Apotheke diverse probiotische Kapseln und Pulver, die zum Teil auch ohne Rezept erhältlich sind. Doch die bisherige Studienlage ist nicht ausreichend genug, um eine generelle Empfehlung aussprechen zu können. Ob eine Probiotikaeinnahme nach der Antibiotikatherapie sinnvoll ist, bleibt umstritten.


Fazit:

Bei Durchfall - insbesondere auch durch Antibiotikatherapie - sind Probiotika durchaus sinnvoll. Ob Probiotika nach einer Antibiotikaeinnahme Sinn machen, um die Darmflora aufzubauen, ist umstritten bzw. noch nicht ausreichend wissenschaftlich geklärt.

Dr. rer. nat Yvonne Hagenlocher
Yvonne studierte Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim. Anschließend promovierte Sie am Institut für Ernährungsmedizin zum Thema anti-entzündlicher Einfluss von Nahrungsbestandteilen. Ihr Know-how im Bereich Ernährung möchte Yvonne an Dich weitergeben.